Was ist das TPS Automotive Power Module für On‑Board‑Ladegeräte und warum ist es unverzichtbar für das schnelle und effiziente Laden von EV‑Batterien?

9 Min Lesezeit
Geschrieben von
Tang Marcus
Veröffentlicht am
3. Juli 2026

Für Systemintegratoren und Beschaffungsteams in der Lieferkette für Elektrofahrzeuge ist das On‑Board‑Ladegerät (OBC) längst kein einfacher AC‑DC‑Wandler mehr. Es ist ein bidirektionales Energie‑Gateway, das einen hohen Wirkungsgrad liefern, strenge Automotive‑Sicherheitsnormen erfüllen und unter extremen Temperatur- und Vibrationsbedingungen zuverlässig arbeiten muss. Wenn ein Tier‑1‑Zulieferer die Leistungsstufe für ein OBC der nächsten Generation mit 6,6 kW auswählt, hängt die Entscheidung von einer einzigen Komponente ab: dem Automotive Power Module.

Das TPS Automotive Power Module, basierend auf der TPS‑BM142400SI‑Plattform, ist genau für diese Anwendung konzipiert. Es kombiniert eine aktive PFC‑Eingangsstufe, einen hocheffizienten isolierten DC‑DC‑Wandler und eine fortschrittliche digitale Steuerung in einem kompakten, thermisch optimierten Gehäuse. Mit Unterstützung für bidirektionalen Betrieb lädt das Modul nicht nur die Hochvoltbatterie aus dem Netz, sondern ermöglicht auch Vehicle‑to‑Grid‑ (V2G) und Vehicle‑to‑Load‑ (V2L) Funktionalität, was es zu einer zukunftssicheren Wahl für moderne EV‑Plattformen macht.

Warum das On‑Board‑Ladegerät‑Power‑Module die Ladeleistung des EVs bestimmt

Ein On‑Board‑Ladegerät wandelt Wechselstrom aus dem Netz in geregelte Gleichspannung um, um die Traktionsbatterie zu laden. In einem typischen 6,6 kW‑OBC muss das Power Module 14 V bis 16 V DC bei über 400 A an den Akkupack liefern und dabei einen nahezu sinusförmigen Strom mit einem Leistungsfaktor über 0,99 aus dem Netz ziehen. Dies erfordert eine Leistungsstufe, die einen Totem‑Pole‑PFC‑Gleichrichter und einen resonanten DC‑DC‑Wandler kombiniert, gesteuert von einem Hochgeschwindigkeits‑DSP.

Der Wirkungsgrad dieses Power Modules beeinflusst direkt die Reichweite und Ladegeschwindigkeit des Fahrzeugs. Eine Wirkungsgradverbesserung um 1 % bei 6,6 kW spart 66 W Verlustleistung, was das fahrzeuginterne Wärmemanagement entlastet und die Reichweite erhöht. Das TPS‑BM142400SI erreicht bis zu 91,5 % AC‑DC‑Wirkungsgrad, wobei eine SiC‑Variante über 94 % erzielen kann. Dieser hohe Wirkungsgrad wird über den weiten Eingangsspannungsbereich von 176–264 V AC aufrechterhalten und passt sich weltweit einphasigen Netzen an. Für weiterführende technische Hintergründe siehe die TPS Service‑Übersicht.

Automotive OBC Power Module Bidirectional AC‑DC SiC Converter EV Charger – TPS Elektronik

TPS‑BM142400SI: die bidirektionale Automotive‑Power‑Module‑Plattform

Das TPS‑BM142400SI ist ein bidirektionales 2400 W‑Power‑Module, das als einphasige OBC‑Leistungsstufe für 3,3 kW‑Anwendungen konfiguriert werden kann; zwei Module können für ein 6,6 kW‑OBC verschachtelt werden. Das Modul nutzt fortschrittliche Soft‑Switching‑Technologie (Zero‑Voltage‑Switching primärseitig und Zero‑Current‑Switching sekundärseitig), um Schaltverluste und elektromagnetische Störungen zu minimieren.

Zu den wichtigsten Hardware‑Merkmalen gehören ein 176–264 V AC‑Eingang mit ≤15 A AC‑Strom, ein 14 V DC‑Ausgang bei 171 A (oder 15 V DC‑Eingang bei 112 A für den Rückwärtsbetrieb) und eine schnelle Modusumschaltzeit von unter 10 ms zwischen Gleichrichter- und Wechselrichtermodus. Dieser schnelle Übergang ist essenziell für V2G‑Anwendungen, bei denen das OBC nahtlos vom Laden auf Entladen umschalten muss, wenn das Netz Leistung anfordert. Die Leistungsdichte und Steuerungsflexibilität des Moduls werden im TPS News‑Archiv näher beschrieben.

Elektrische Leistung: Wirkungsgrad, PFC und Netzqualität

Die Netzqualität ist ein kritischer Parameter für jedes netzgekoppelte Ladegerät. Das TPS‑BM142400SI erreicht einen Leistungsfaktor über 0,99 und einen THDi (Oberschwingungsverzerrung des Eingangsstroms) unter 5 % bei 220 V AC Volllast, unter Annahme einer Netzspannungs‑THD ≤2 %. Diese Werte übertreffen die Anforderungen von IEC 61000‑3‑2 Klasse A für Oberschwingungsemissionen und stellen sicher, dass das OBC keine übermäßigen Oberschwingungen im lokalen Netz verursacht.

Auf der DC‑Seite bietet das Modul eine Ausgangsspannungsgenauigkeit von ±0,5 % und eine Restwelligkeit von 500 mV Spitze‑Spitze, was einen stabilen Ladestrom für das Batteriemanagementsystem gewährleistet. Der digitale Regelkreis verwendet eine Kombination aus Average‑Current‑Mode‑Control für die PFC und Peak‑Current‑Mode‑Control für die DC‑DC‑Stufe, mit adaptiver Totzeit‑Anpassung zur Maximierung des Wirkungsgrads über den Lastbereich. Die Leistungsparameter und typischen Anwendungsschaltungen sind in der TPS Leistungsmodule‑Kategorie weiter ausgeführt.

Automotive Power Module Liquid Cooling Forced Air Thermal Management Heat Sink – TPS Elektronik

Thermisches Design und Zuverlässigkeit für den Automotive‑Einsatz

Automotive‑Elektronik muss zuverlässig von −40 °C Kaltstart‑Bedingungen bis zu +85 °C Umgebungstemperatur unter der Motorhaube arbeiten. Das TPS‑BM142400SI ist für den Volllastbetrieb von 10 °C bis 45 °C ausgelegt, mit linearer Derating auf 80 % Last bei 55 °C–60 °C. Das Modul verwendet ein intelligentes Zwangsbelüftungssystem (Lufteinlass vorne, Auslass hinten als Standard) mit einem drehzahlvariablen Lüfter, der von internen Temperatursensoren gesteuert wird.

Für die Integration in geschlossene OBC‑Gehäuse ist die Grundplatte des Moduls so konzipiert, dass sie thermisch an eine flüssigkeitsgekühlte Kühlplatte gekoppelt werden kann und so einen geräuschlosen, lüfterlosen Betrieb ermöglicht. Das mechanische Design berücksichtigt auch die Automotive‑Vibrations- und Schockanforderungen nach ISO 16750‑3, wobei alle Leistungshalbleiter für maximale Temperaturwechselbeständigkeit direkt auf die Leiterplatte gelötet oder auf ein DBC‑Substrat gesintert sind. Der interne Fehlerschutz umfasst Übertemperaturabschaltung, Eingangsunterspannungs‑Verriegelung, Ausgangsüberspannungsschutz und zyklusweise Überstrombegrenzung.

TBM14-2400SI automotive power module

Skalierbarkeit: Parallelbetrieb für OBCs mit höherer Leistung

Mit steigenden EV‑Batteriekapazitäten wächst auch der Bedarf an höherer Ladeleistung. Das TPS‑BM142400SI unterstützt bis zu acht parallele Module mit einer Stromaufteilungs‑Unsymmetric von unter 5 %, was skalierbare Leistung von 2,4 kW bis 19,2 kW in einem einzigen OBC‑Gehäuse ermöglicht. Diese Skalierbarkeit erlaubt Tier‑1‑Zulieferern, eine einzige OBC‑Plattform zu entwickeln, die für verschiedene Fahrzeugklassen konfiguriert werden kann — vom Kleinwagen mit 3,3 kW‑Ladegerät bis zum Luxus‑SUV mit 11 kW‑Dreiphasen‑Ladegerät — einfach durch Änderung der Modulanzahl und der Eingangsphasen‑Konfiguration.

Die parallele Steuerungsstrategie nutzt einen digitalen Kommunikationsbus, der die Schaltfrequenzen aller Module synchronisiert und den Ausgangsstrom jedes Moduls anpasst, um eine gleichmäßige Lastverteilung zu erreichen. Eine Droop‑Regelung ist als Backup bei Kommunikationsausfall implementiert und gewährleistet einen sanften Leistungsabfall statt eines vollständigen Systemabschaltung.

Automotive‑Konformität: IEC 61851, ISO 16750 und EMV

Jedes Power Module, das in einem On‑Board‑Ladegerät eingesetzt wird, muss eine Reihe internationaler Normen erfüllen. Das TPS‑BM142400SI ist darauf ausgelegt, die Anforderungen der IEC 61851‑23 (DC‑Ladestation für Elektrofahrzeuge) zu erfüllen, die die elektrische Sicherheit und Leistung von konduktiven Ladesystemen regelt. Für die Umweltbeständigkeit bezieht sich das Design des Moduls auf ISO 16750‑2 (Umgebungsbedingungen) und ISO 16750‑3 (mechanische Belastungen).

EMV‑Konformität ist entscheidend, da ein OBC sowohl eine Quelle als auch ein Opfer elektromagnetischer Störungen ist. Das Modul erfüllt EN 55032 Klasse B (CISPR 32) für gestrahlte und leitungsgeführte Störaussendungen und ist so konstruiert, dass es die Störfestigkeitsprüfungen der IEC 61000‑4‑2 (ESD), IEC 61000‑4‑3 (gestrahlte HF) und IEC 61000‑4‑4 (schnelle Transienten) besteht. Das Modul ist für UL‑/CE‑/TUV‑Zertifizierung geeignet, was den eigenen Zertifizierungsprozess des OBC‑Zulieferers vereinfacht.

Anwendungsszenarien: OBC, V2G und Testsysteme

Während die Hauptanwendung des TPS‑BM142400SI das On‑Board‑Ladegerät ist, macht seine bidirektionale Fähigkeit es für verschiedene weitere automobilbezogene Anwendungen geeignet:

  • Vehicle‑to‑Grid (V2G) und Vehicle‑to‑Load (V2L): Das Modul kann die Traktionsbatterie zurück ins Netz oder zu einer lokalen Last entladen und so Netzdienstleistungen und Notstromversorgung ermöglichen.
  • Zellformation und Batterietests: In der Fertigung kann das Modul als bidirektionale Stromversorgung zum Laden und Entladen von Batteriezellen während der Formation verwendet werden, wobei die Energie aus dem Entladevorgang zurückgewonnen und ins Netz zurückgespeist wird — mit bis zu 88,5 % DC‑AC‑Wirkungsgrad im Rückwärtsmodus.
  • Bidirektionale Alterungstests: Für Zuverlässigkeitsprüfungen kann das Modul in einer Rücken‑an‑Rücken‑Anordnung konfiguriert werden, bei der ein Modul eine Batterie lädt und ein anderes sie entlädt, wobei die Energie recycelt und die Stromkosten von Langzeittests drastisch gesenkt werden.

Für all diese Anwendungen sind die schnelle Modusumschaltung (<10 ms) und die hochgenaue Ausgangsspannung (±0,5 %) des Moduls entscheidende Voraussetzungen.

TPS Power Module Parallel Configuration 8 Modules EV Fast Charging Scalability – TPS Elektronik

RFQ‑Checkliste für Automotive Power Module

  • OBC‑Leistungsniveau: 3,3 kW, 6,6 kW oder anderes; einphasiger oder dreiphasiger Eingang.
  • Bidirektionale Anforderung: Ist V2G‑/V2L‑Funktionalität erforderlich?
  • Kühlmethode: Flüssigkeitsgekühlte Grundplatte, Zwangsbelüftung oder eine Kombination.
  • Automotive‑Zertifizierungen: Zielnormen (IEC 61851, ISO 16750), erforderliches AEC‑Q‑Qualifikationsniveau.
  • Kommunikationsschnittstelle: CAN‑Bus, LIN oder andere für die Systemintegration.
  • Stückzahlen und Zeitplan: Prototypenmenge, Serienhochlauf und Jahresprognose.

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Häufig gestellte Fragen

Kann das TPS‑BM142400SI direkt in einem 6,6 kW‑OBC verwendet werden?
Ja, durch Verschachteln von zwei Modulen, die jeweils mit 3,3 kW arbeiten, kann eine 6,6 kW‑OBC‑Leistungsstufe aufgebaut werden. Die Module teilen sich einen gemeinsamen DC‑Ausgangsbus und werden über die digitale Kommunikationsschnittstelle synchronisiert.

Enthält das Modul die Steuerungssoftware für den OBC‑Betrieb?
TPS stellt die Hardware‑Plattform und eine Referenz‑Firmware bereit. Der Kunde kann die Firmware an sein spezifisches BMS‑Kommunikationsprotokoll und die Ladeprofil‑Anforderungen anpassen.

Was ist die erwartete Lebensdauer des Moduls in einer Automotive‑Anwendung?
Bei ordnungsgemäßem Wärmemanagement (Grundplattentemperatur unter 85 °C) ist das Modul für eine Lebensdauer von 15 Jahren oder 300.000 km ausgelegt, in Übereinstimmung mit den Automotive‑Zuverlässigkeitszielen. Detaillierte Lebensdauerberechnungen können basierend auf dem spezifischen Missionsprofil des Kunden bereitgestellt werden.

Wo finde ich detaillierte technische Dokumentation?
Besuchen Sie die TPS Leistungsmodule‑Produktseite oder kontaktieren Sie den TPS‑Vertrieb über die TPS Services‑Seite, um ein vollständiges Datenblatt und eine Applikationsschrift anzufordern.

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