Mit zunehmender Komplexität elektronischer Produkte und globaler Markteinführung gewinnt die Einhaltung der Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) weiter an Bedeutung.
Die europäische EMV-Richtlinie 2014/30/EU legt die grundlegenden Anforderungen fest, die Hersteller erfüllen müssen, bevor ein Produkt im Europäischen Wirtschaftsraum in Verkehr gebracht wird. Im Rahmen der CE-Kennzeichnung sind sowohl Störaussendung als auch Störfestigkeit zu bewerten und zu dokumentieren.
Die europäische EMV-Richtlinie im Überblick
Die EMV-Richtlinie verfolgt das Ziel, sicherzustellen, dass elektrische und elektronische Geräte:
- keine unzulässig hohen elektromagnetischen Störungen verursachen und
- unter vorgesehenen Betriebsbedingungen ausreichend störfest sind.
Die Konformität wird in der Regel durch Anwendung harmonisierter europäischer Normen (EN-Normen) nachgewiesen. Eine generelle Verpflichtung zu einer externen Produktzertifizierung besteht dabei nicht; vielmehr liegt die Verantwortung für die Konformitätsbewertung und technische Dokumentation beim Hersteller.
EMV-Störfestigkeitsprüfung: Ziel und Umfang
Die EMV-Störfestigkeitsprüfung bewertet, ob ein Produkt unter definierten elektromagnetischen Einwirkungen bestimmungsgemäß funktioniert.
Typische Prüfarten sind beispielsweise:
- Elektrostatische Entladungen (ESD)
- Hochfrequente elektromagnetische Felder (RF)
- Schnelle transiente Störungen (EFT/Burst)
- Surge-Impulse
- Leitungsgebundene HF-Störgrößen
Diese Prüfungen simulieren standardisierte Störszenarien gemäß den jeweils anwendbaren Normen. Ziel ist es, die Einhaltung der festgelegten Prüfpegel und Bewertungskriterien nachzuweisen – nicht jedoch eine uneingeschränkte Funktionsfähigkeit unter allen denkbaren Bedingungen zu garantieren.
Prüfgeräte und Prüfsysteme für die Störfestigkeit
EMV-Störfestigkeitsprüfungen erfordern spezialisierte Laborumgebungen und geeignete Prüftechnik. Ein typisches Prüfsystem kann unter anderem folgende Komponenten umfassen:
- HF-Generatoren
- Leistungsverstärker
- Koppel-/Entkoppelnetzwerke (CDN)
- ESD-Generatoren
- Surge- und EFT-Generatoren
- Mess- und Überwachungseinrichtungen
Die normgerechte Konfiguration des Prüfsystems ist Voraussetzung für reproduzierbare und vergleichbare Ergebnisse. Entwicklungsbegleitende Vorprüfungen können dazu beitragen, potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren.
EMV-Emissionsprüfung
Neben der Störfestigkeit bewertet die EMV-Emissionsprüfung die vom Produkt verursachten elektromagnetischen Störaussendungen.
Unterschieden wird typischerweise zwischen:
- Leitungsgebundenen Emissionen
- Abgestrahlten Emissionen
Messaufbau für leitungsgebundene Emissionen
Ein typischer Messaufbau für leitungsgebundene Emissionen kann enthalten:
- Netznachbildungsnetzwerk (LISN)
- EMI-Empfänger oder Spektrumanalysator
- Definierte Verkabelung und Erdungskonzepte
Eine normkonforme Durchführung der Messung ist erforderlich, um die Einhaltung der in den jeweiligen Produktnormen festgelegten Grenzwerte zu bewerten.
Praktische Aspekte der EMV-Konformitätsbewertung
Für Hersteller empfiehlt es sich,
- relevante harmonisierte Normen frühzeitig zu identifizieren,
- EMV-Aspekte bereits in der Entwicklungsphase zu berücksichtigen (z. B. Layout, Erdung, Filterung, Abschirmung),
- Vorprüfungen im Entwicklungsprozess durchzuführen und
- die technische Dokumentation strukturiert aufzubauen.
Ein systematischer Ansatz kann dazu beitragen, spätere Anpassungen im Rahmen der formalen Konformitätsbewertung zu reduzieren.
Fazit
EMV-Störfestigkeits- und Störaussendungstests sind zentrale Bestandteile der Konformitätsbewertung gemäß der europäischen EMV-Richtlinie.
Durch die strukturierte Bewertung von Emissionen und Störfestigkeit sowie eine nachvollziehbare Dokumentation können Hersteller die regulatorischen Anforderungen für das Inverkehrbringen im EU-Markt erfüllen.
Angesichts zunehmender Systemkomplexität bleibt die EMV-Prüfung ein wesentlicher Bestandteil einer normgerechten Produktentwicklung.


