Für Systemintegratoren, Schaltschrankbauer, Einkauf und Elektroingenieure ist ein Netzteil mehr als eine reine Leistungsangabe.
Im Projektalltag zählen vor allem Thermik, EMV-Verhalten, Dokumentation und eine möglichst reibungsarme Integration.
Die TPS-GSH180S Serie ist ein ein-ausgängiges Open-Frame AC/DC-Schaltnetzteil mit Weitbereichseingang, Active PFC und hoher Isolationsfestigkeit.
Es ist für industrielle Steuerungen, Automatisierung und Kommunikationsgeräte ausgelegt.
Überblick: Open Frame vs. Enclosed im Projektkontext
Die TPS-GSH180S Serie ist als Open-Frame-Netzteil ausgeführt. Das bedeutet:
Die Leistungselektronik liegt als offene Leiterplatte vor und wird in das Endgerät integriert.
Typische Konsequenzen im Design:
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Gehäuse und Berührungsschutz werden durch das Endgerät realisiert
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Luftführung und Kühlung sind Teil des Systemdesigns
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Erdung und EMV-Schirmung müssen projektspezifisch umgesetzt werden
Vorteile:
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kompakte Bauform (ca. 4 × 2 × 0,7 inch Klasse)
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flexible Integration
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geeignet für platzkritische Anwendungen
Zu beachten:
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Thermik, Luftführung und Verkabelung beeinflussen das Gesamtsystem maßgeblich
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Integrationsfehler können sich im Feldbetrieb bemerkbar machen

Varianten & SKU-Auswahl
Die Serie deckt typische Industrie-DC-Spannungen ab. Die Auswahl erfolgt je nach Systemarchitektur:
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12 V – Embedded-Systeme, Sensorik, Legacy-Lasten
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24 V – Standard in der Industrieautomation
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24 V mit Grundplatte – bei erhöhten Anforderungen an Thermik und Mechanik
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36 V – Kommunikationssysteme, spezielle DC-Busse
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48 V – Telecom-nahe Architekturen, längere Leitungen

Elektrische Eigenschaften in der Praxis
Weitbereichseingang & PFC
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Eingang: 85–264 Vac / 120–370 Vdc
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Active PFC mit typischem Leistungsfaktor:
- 0,98 bei 115 Vac
- 0,95 bei 230 Vac
Dies kann die Integration in internationale Anwendungen oder Systeme mit DC-Zwischenkreisen erleichtern.
Einschaltstrom & Low-Line-Derating
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Typischer Inrush-Strom:
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ca. 40 A bei 120 Vac
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ca. 75 A bei 240 Vac
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Bei niedrigen Eingangsspannungen reduziert sich die verfügbare Ausgangsleistung.
Typische Richtwerte:
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~60 % bei 85 Vac
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~83 % bei 115 Vac
Empfehlung: Derating-Kurven früh im Design berücksichtigen.
Regelung, Ripple & Ausgangstrimm
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Ausgangsspannung justierbar (modellabhängig):
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12 V: ca. 11,4–12,8 V
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24 V: ca. 22,8–27 V
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36 V: ca. 33–39 V
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48 V: ca. 45,6–54 V
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Wichtig für Messungen:
Ripple/Noise gemäß Datasheet messen:
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0,1 µF + 47 µF parallel
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20 MHz Bandbreite
Abweichende Messaufbauten können zu nicht vergleichbaren Ergebnissen führen.
Schutzfunktionen
Die Serie unterstützt typische Schutzmechanismen:
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Unterspannungsschutz (UVP)
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Überstromschutz (OCP, Hiccup-Mode)
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Überspannungsschutz (OVP)
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Übertemperaturschutz (OTP)
Diese Funktionen tragen dazu bei, Fehlerzustände im System kontrolliert zu behandeln.

Thermik & Derating
Zwei typische Betriebsarten:
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Selbstkühlung: ca. 120 W
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Lüfterbetrieb (~10 CFM): bis 180 W
Wichtige Designpunkte:
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Luftführung gezielt definieren (Einlass/Auslass)
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Hotspots vermeiden (keine Kabelbündel über kritischen Bereichen)
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Umgebungstemperatur berücksichtigen
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Low-Line-Betrieb thermisch mitbewerten
Option:
Die Variante mit Grundplatte kann die Wärmeverteilung und mechanische Stabilität verbessern.

Mechanik & Integration
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Abmessungen: ca. 101,6 × 50,8 × 17,8 mm
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Mit Grundplatte: Höhe ca. 20,3 mm
Integration:
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LED-Statusanzeige für Servicezwecke
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ADJ-Punkt für Spannungseinstellung
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definierte Lüfterposition (40×40×15 mm Klasse)
Empfehlungen für die Serie:
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Ausgangstrimm als Prozess definieren
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klare Kennzeichnung und Pin-Definition verwenden
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Montageanweisungen dokumentieren

EMV & Compliance
Im Datasheet referenzierte Rahmenwerke:
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IEC 62368-1 (Sicherheit)
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CISPR 32 / EN 55032 Class B (Emission)
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IEC/EN 61000-4 (Immunität)
Hinweis:
Die endgültige EMV-Performance hängt vom Gesamtsystem ab (Gehäuse, Kabel, Erdung).
Typische Anwendungen
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12 V: Embedded-Systeme, Sensorik
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24 V: Industrieautomation (Standard)
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36 V / 48 V: Kommunikation, längere Leitungen, LED-Systeme
RFQ-Checkliste
Für eine effiziente Angebotsphase sollten folgende Punkte definiert sein:
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gewünschte Spannung & Menge (Proto / Serie)
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Eingangsbedingungen (inkl. Low-Line-Betrieb)
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Kühlkonzept (passiv / aktiv)
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Einbausituation & mechanische Randbedingungen
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EMV-Anforderungen
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benötigte Dokumentation
Alternativen
Je nach Anwendung können andere Bauformen sinnvoll sein:
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DIN-Schiene: für Schaltschrankverteilung
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ATX / IPC-Netzteile: für PC-basierte Systeme
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1U-Netzteile: für Rack-Anwendungen
FAQ
Ist das Netzteil „geschlossen“?
Nein, es handelt sich um ein Open-Frame-Design. Schutz wird über das Endgerät realisiert.
Wie erreiche ich 180 W?
Typischerweise mit Lüfterbetrieb und definierter Luftführung.
Ist die Ausgangsspannung einstellbar?
Ja, innerhalb modellabhängiger Bereiche.
Wie ist die EMV zu bewerten?
Das Netzteil liefert die Basis, die Systemintegration bestimmt das Endergebnis.


