Einschaltstrombegrenzer in Solar-PV-Systemen: Eine ergänzende Schutzmaßnahme bei blitzbedingten Störungen

4 Min Lesezeit
Geschrieben von
Kael Yuan
Veröffentlicht am
22. Januar 2026

Kernaussagen

  • Einschaltstrombegrenzer dienen dazu, kurzzeitige Stromspitzen beim Einschalten oder Neustarten elektrischer Geräte zu begrenzen und können so die elektrische Belastung von PV-Komponenten reduzieren.
  • Blitzbedingte Überspannungen stellen ein relevantes Risiko für Solarparks dar und können unter bestimmten Bedingungen über klassische Überspannungsschutzgeräte (SPD) hinausgehende Effekte verursachen.
  • Leistungselektronische, nicht-NTC-basierte Einschaltstrombegrenzer sind für wiederholte Schaltvorgänge und erhöhte Umgebungstemperaturen ausgelegt.
  • Ein gestaffeltes Schutzkonzept kombiniert typischerweise Typ-1+2-SPDs am AC-Anschluss mit einem Einschaltstrombegrenzer am Wechselrichtereingang.
  • Wichtige Auswahlkriterien sind Nennstrom, Spitzenstromfähigkeit, Hutschienenmontage, integriertes Überbrückungsrelais sowie die Konformität mit CE und RoHS.

Ein praxisnahes Risikoszenario

Ein abgelegener Solarpark arbeitet unter normalen Netzbedingungen. In einiger Entfernung tritt ein Gewitter auf, bei dem ein Blitz in die Nähe der Netzinfrastruktur einschlägt. Überspannungsschutzgeräte begrenzen die Spitzenspannung, dennoch kann ein Teil der transienten Energie in das System eingekoppelt werden.

Bei einem anschließenden Neustart werden die Eingangskondensatoren der Wechselrichter erneut geladen. Dabei entstehen kurzzeitige Einschaltstromspitzen, die – wenn sie nicht berücksichtigt werden – zusätzliche elektrische Belastungen für leistungselektronische Komponenten darstellen können. Solche Szenarien verdeutlichen, warum Einschaltstrombegrenzung häufig als Ergänzung zum klassischen Überspannungsschutz betrachtet wird.

Einschaltstrombegrenzung als ergänzende Schutzebene

Dieser Beitrag beleuchtet die Rolle von Einschaltstrombegrenzern innerhalb eines umfassenderen Schutzkonzepts für Solar-PV-Anlagen. Sie ersetzen keine Überspannungsschutzgeräte, sondern können dazu beitragen, strombezogene Belastungen bei Einschalt-, Wiederanlauf- oder Nach-Überspannungsereignissen zu begrenzen.

Inhalt und Zielsetzung dieses Leitfadens

Die folgenden Abschnitte:

  • erläutern funktionale Grenzen klassischer NTC-basierter Einschaltstrombegrenzer,
  • beschreiben nicht-NTC-basierte, elektronisch gesteuerte Alternativen, und
  • zeigen Integrationsansätze für Solar-PV-Wechselrichter auf.

Ziel ist es, eine sachliche Entscheidungsgrundlage für Planung und Systemauslegung bereitzustellen.

Fotorealistisches Weitwinkel-Landschaftsfoto eines großen, industriellen Solarparks in der Abenddämmerung. Der Himmel ist dramatisch und stürmisch mit dunklen, bedrohlichen Wolken. Ein mächtiger, verzweigter Blitz schlägt im fernen Hintergrund in den Boden und beleuchtet die Szene.

Solar-PV-Systeme: Leistungsdichte und Empfindlichkeit

Moderne PV-Anlagen basieren auf Leistungselektronik mit Bauelementen wie IGBTs und SiC-MOSFETs. Große DC-Zwischenkreiskondensatoren stabilisieren die Spannung, verursachen jedoch beim Einschalten einen hohen Anfangsstrom.

Unter Standardbedingungen lässt sich dieser Strom begrenzen. Solar-PV-Anlagen sind jedoch häufig folgenden Einflüssen ausgesetzt:

  • Netzstörungen und wiederholten Neustarts,
  • großen Temperaturbereichen,
  • Anforderungen an hohe Verfügbarkeit bei geringem Wartungsaufwand.

NTC-Thermistoren nutzen Selbsterwärmung zur Strombegrenzung. Bei kurzen Neustartintervallen kann der Thermistor jedoch noch warm sein, wodurch seine Begrenzungswirkung reduziert ist. Dieses Verhalten wird oft als Hot-Start-Effekt bezeichnet.

Blitz- und Überspannungseinflüsse in PV-Anlagen

Blitzereignisse können PV-Systeme auf unterschiedlichen Wegen beeinflussen:

  • Eingeleitete Überspannungen über Netzanschlüsse,
  • Induzierte Spannungen in langen AC- oder DC-Leitungen,
  • Erdpotenzialanhebungen (GPR) bei Einschlägen in der Nähe der Erdungsanlage.

SPDs leiten Überspannungen gegen Erde ab. Dabei können jedoch hohe Ableitströme auftreten, deren Auswirkungen sich stromseitig in nachgelagerten Baugruppen bemerkbar machen können. Einschaltstrombegrenzer werden in diesem Zusammenhang eingesetzt, um kurzzeitige Stromspitzen zu begrenzen.

Blitz- und Überspannungseinflüsse in PV-Anlagen

Blitzereignisse können PV-Systeme auf unterschiedlichen Wegen beeinflussen:

  • Eingeleitete Überspannungen über Netzanschlüsse,
  • Induzierte Spannungen in langen AC- oder DC-Leitungen,
  • Erdpotenzialanhebungen (GPR) bei Einschlägen in der Nähe der Erdungsanlage.

SPDs leiten Überspannungen gegen Erde ab. Dabei können jedoch hohe Ableitströme auftreten, deren Auswirkungen sich stromseitig in nachgelagerten Baugruppen bemerkbar machen können. Einschaltstrombegrenzer werden in diesem Zusammenhang eingesetzt, um kurzzeitige Stromspitzen zu begrenzen.

Der Überspannungsbegrenzer ist auf der Hutschiene montiert.

Relevante Auswahlkriterien für Solar-Anwendungen

Typische technische Kriterien sind:

  • Spitzenstromfähigkeit bei transienten Ereignissen,
  • Kompatibilität mit der Eingangsspannung des Wechselrichters,
  • Thermische Stabilität im vorgesehenen Temperaturbereich,
  • Mechanische Integration, z. B. Hutschienenmontage,
  • Regulatorische Konformität (CE, RoHS).

Integrationsstrategie: Aufbau eines gestaffelten Schutzes für SGestaffeltes Schutzkonzept für Solar-PV-Anlagen

In der Praxis wird Schutz häufig zonenweise umgesetzt:

  • Zone 0: Externe Blitzschutz- und Erdungssysteme
  • Zone 1: Typ-1+2-SPDs am AC-Anschluss
  • Zone 2: Einschaltstrombegrenzer am Wechselrichtereingang
  • Zone 3: Interne Schutzmaßnahmen auf DC- und Steuerebene

Jede Stufe reduziert Belastungen für nachgelagerte Komponenten.

Vergleich: NTC- vs. nicht-NTC-Einschaltstrombegrenzer

MerkmalNTC-BegrenzerNicht-NTC-Begrenzer
FunktionsprinzipThermischElektronisch gesteuert
Verhalten bei NeustartAbkühlzeit erforderlichDirekt wieder einsatzbereit
Verluste im DauerbetriebVorhandenReduziert durch Überbrückung
TemperaturabhängigkeitHochGering
Typische AnwendungEinfache LastenAnspruchsvolle, zyklische Anwendungen

Betriebstechnische Einordnung

Eine kontrollierte Einschaltstrombegrenzung kann:

  • die elektrische Belastung von Komponenten reduzieren,
  • die Planbarkeit von Schutzkonzepten unterstützen,
  • zu stabileren Start- und Wiederanlaufbedingungen beitragen.

Die tatsächlichen Effekte hängen jedoch stets vom Gesamtsystem und den Betriebsbedingungen ab.

Ausblick

Mit steigenden Systemspannungen und zunehmender Digitalisierung entwickeln sich auch Einschaltstrombegrenzungskonzepte weiter. Diskutierte Ansätze umfassen:

  • Diagnose- und Monitoring-Funktionen,
  • höhere Spannungs- und Stromklassen,
  • verstärkte Nutzung leistungselektronischer Schaltelemente.

Fazit

Einschaltstrombegrenzer stellen eine ergänzende Maßnahme innerhalb eines ganzheitlichen Schutzkonzepts für Solar-PV-Anlagen dar. In Kombination mit geeigneten Überspannungsschutzgeräten können sie dazu beitragen, kurzzeitige strombedingte Belastungen bei Blitzereignissen oder Neustarts zu begrenzen. Eine sachgerechte Auswahl und Integration ist dabei entscheidend für die technische Wirksamkeit.

Heiteres und optimistisches Landschaftsfoto eines Solarparks zur Goldenen Stunde bei Sonnenuntergang. Die Sonne steht tief am Horizont und wirft warmes orangefarbenes und rosafarbenes Licht über den Himmel, das sich in dem Meer aus blauen Solarmodulen spiegelt.
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