Für Systemintegratoren, Schaltschrankbauer und Einkaufsteams ist die Auswahl eines geeigneten Partners für die Leiterplattenbestückung eine wichtige Entscheidung. Sie kann Einfluss auf Projektabläufe, Qualitätsanforderungen, Lieferzeiten und Beschaffungsprozesse haben.
Dieser Leitfaden erläutert zentrale Auswahlkriterien für EMS-Dienstleister – von Bestückungstechnologien und Prüfverfahren über Design for Manufacturability (DFM) bis hin zur Integration von Beschaffung und Fertigung.
1. Was ist Leiterplattenbestückung?
Unter Leiterplattenbestückung (PCBA – Printed Circuit Board Assembly) versteht man das Bestücken und Löten elektronischer Bauteile auf einer Leiterplatte, um eine funktionsfähige elektronische Baugruppe herzustellen.
Im EMS-Umfeld bildet die Leiterplattenbestückung einen zentralen Fertigungsschritt zwischen der unbestückten Leiterplatte und dem einsatzbereiten elektronischen Modul.
Für Einkauf und Entwicklung umfasst die Bewertung eines Bestückungspartners typischerweise mehr als den eigentlichen Lötprozess. Relevante Aspekte sind unter anderem:
- Prozesskontrolle
- Prüf- und Testverfahren
- Bauteilbeschaffung
- Rückverfolgbarkeit
- DFM-Unterstützung
Ein Leiterplattenbestücker kann je nach Projekt zusätzlich technische Rückmeldungen zur Fertigbarkeit, Unterstützung bei der Materialbeschaffung sowie projektbezogene Dokumentation bereitstellen.
IPC-A-610 wird branchenweit als Referenz für die Bewertung elektronischer Baugruppen verwendet und definiert Anforderungen an die Verarbeitungsqualität für unterschiedliche Anwendungsklassen.
Für einen umfassenden Überblick empfehlen wir unseren Ratgeber zu Elektronikfertigungsdienstleistungen (EMS).
2. Bestückungstechnologien: SMT, THT und Mischbestückung
Moderne Leiterplatten werden abhängig von Design, Bauteilen und Einsatzbedingungen mit unterschiedlichen Technologien gefertigt.
Oberflächenmontage (SMT)
Bei der Surface Mount Technology (SMT) werden Bauteile direkt auf der Oberfläche der Leiterplatte platziert.
Typische Merkmale:
- hohe Packungsdichte
- automatisierte Fertigungsprozesse
- kompakte Bauformen
- reproduzierbare Platzierungsgenauigkeit
Durchsteckmontage (THT)
Bei der Through-Hole Technology (THT) werden Bauteilanschlüsse durch Bohrungen geführt und verlötet.
Diese Technologie wird häufig eingesetzt für:
- Steckverbinder
- größere Kondensatoren
- Anwendungen mit mechanischer Belastung
- Umgebungen mit Vibrationen
Mischbestückung
Viele industrielle Baugruppen kombinieren SMT- und THT-Komponenten auf derselben Leiterplatte.
Dies erfordert abgestimmte Fertigungs- und Prüfprozesse über mehrere Prozessschritte hinweg.
Weitere technische Details finden Sie in unserem Beitrag:
SMD-Bestückung und THT-Bestückung in der industriellen Leiterplattenfertigung

3. Qualitätssicherung und Prüfverfahren
Die Qualität einer elektronischen Baugruppe hängt wesentlich von geeigneten Prüf- und Kontrollverfahren ab.
Bei der Auswahl eines EMS-Dienstleisters lohnt sich ein Blick auf die verfügbaren Prüfmethoden.
Automatische optische Inspektion (AOI)
AOI-Systeme prüfen unter anderem:
- Bauteilposition
- Polarität
- sichtbare Lötstellen
Lötpasteninspektion (SPI)
SPI-Systeme kontrollieren die aufgetragene Lötpaste vor dem Bestückungsprozess und können frühzeitig Prozessabweichungen erkennen.
In-Circuit-Test (ICT)
ICT dient der elektrischen Prüfung einzelner Schaltungsbereiche und kann beispielsweise erkennen:
- Unterbrechungen
- Kurzschlüsse
- fehlerhafte Bauteilwerte
Funktionstest (FCT)
Funktionstests überprüfen das Verhalten der Baugruppe unter definierten Betriebsbedingungen.
Röntgeninspektion
Für BGA-Gehäuse und andere verdeckte Lötstellen kann die Röntgeninspektion zur Bewertung der Lötqualität eingesetzt werden.
Projektabhängig können folgende Dokumente bereitgestellt werden:
- Erstmusterprüfberichte (FAI)
- Prüfprotokolle
- Rückverfolgbarkeitsnachweise
- Produktionsdokumentationen
Welche Dokumentation erforderlich ist, hängt von Branche, Anwendung und Kundenvorgaben ab.

4. DFM und Lieferkettenintegration: Risiken im RFQ reduzieren
4. DFM und Lieferkettenintegration
Ein wichtiger Unterschied zwischen EMS-Dienstleistern liegt im Umfang der DFM-Unterstützung und der Integration von Beschaffungsprozessen.
Design for Manufacturability (DFM)
Typische DFM-Prüfungen umfassen:
- Gerber-Daten
- Stücklisten (BOM)
- Bestückungszeichnungen
Ziel ist es, potenzielle Fertigungsrisiken möglichst früh zu identifizieren.
Beispiele sind:
- kritische Lötstoppmaskenabstände
- ungeeignete Pad-Geometrien
- Platzierungskonflikte zwischen Bauteilen
Bauteilbeschaffung
Unterstützung bei der Beschaffung kann beispielsweise umfassen:
- Einkauf über autorisierte Distributoren
- Lebenszyklusmanagement
- Obsoleszenzmanagement
- Bewertung möglicher Alternativbauteile
Turnkey- und Beistellfertigung
Zwei gängige Modelle sind:
Turnkey-Fertigung
Der EMS-Dienstleister übernimmt Materialbeschaffung und Fertigung.
Beistellfertigung
Der Kunde stellt die Bauteile bereit, während der EMS-Dienstleister Bestückung und Prüfung übernimmt.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Projektanforderungen, Beschaffungsstrategie und verfügbaren Ressourcen ab.
TPS Elektronik unterstützt Projekte mit DFM-Analysen und Beschaffungsleistungen im Rahmen seiner EMS-Dienstleistungen.

5. Warum EMS-Integration relevant sein kann
Für viele Projekte endet die Fertigung nicht bei der Leiterplattenbestückung.
Zusätzliche Leistungen können beispielsweise umfassen:
- Kabelkonfektion
- mechanische Montage
- Gehäuseintegration
- Systemmontage
- Endprüfung
Die Bündelung mehrerer Fertigungsschritte bei einem Anbieter kann je nach Projekt die Koordination vereinfachen.
Mögliche Vorteile sind:
- weniger Schnittstellen zwischen Lieferanten
- gebündelte Dokumentation
- abgestimmte Fertigungsplanung
- vereinfachte Logistikprozesse
Welche Bedeutung diese Aspekte haben, hängt vom jeweiligen Projektumfang ab.

6. Leiterplattenbestückung bei TPS Elektronik
TPS Elektronik bietet Leistungen im Bereich Leiterplattenbestückung für industrielle Anwendungen – von Prototypen bis zur Serienfertigung.
Zu den Fertigungsmöglichkeiten gehören:
SMT-Bestückung
- automatisierte SMT-Linien
- Lötpasteninspektion (SPI)
- automatische Bauteilplatzierung
- Reflow-Lötprozesse
THT-Bestückung
- Wellenlöten
- Selektivlöten
- manuelle Bestückung bei Bedarf
Schutzlackierung (Conformal Coating)
Selektive Beschichtungsverfahren für Anwendungen mit erhöhten Anforderungen an den Umweltschutz der Baugruppe.
Funktionstests
Entwicklung projektspezifischer Prüfkonzepte und Testeinrichtungen.
Box Build und Systemintegration
Integration bestückter Leiterplatten in Gehäuse und Systeme einschließlich Kabelkonfektion und Endprüfung.
TPS Elektronik arbeitet unter zertifizierten Managementsystemen wie ISO 9001, ISO 13485 und IATF 16949. Welche Anforderungen relevant sind, hängt von Anwendung und Projektumfang ab.
Für eine Projektbewertung empfiehlt sich die Übermittlung von RFQ-Unterlagen wie Stücklisten, Gerber-Daten, Bestückungszeichnungen und Prüfanforderungen.

7. FAQ
Was ist der Unterschied zwischen PCB und PCBA?
Eine PCB (Printed Circuit Board) ist eine unbestückte Leiterplatte.
Eine PCBA (Printed Circuit Board Assembly) ist eine Leiterplatte, auf der elektronische Bauteile bereits montiert und verlötet wurden.
Welche Technologien werden bei der Leiterplattenbestückung eingesetzt?
Die beiden wichtigsten Technologien sind:
- SMT (Surface Mount Technology)
- THT (Through-Hole Technology)
Viele industrielle Baugruppen kombinieren beide Verfahren.
Welche Normen und Zertifizierungen sind relevant?
Je nach Branche können unter anderem folgende Standards relevant sein:
- ISO 9001
- IPC-A-610
- ISO 13485
- IATF 16949
- ANSI/ESD S20.20
Die tatsächlichen Anforderungen richten sich nach Anwendung und Kundenvorgaben.
Was ist der Unterschied zwischen Turnkey- und Beistellfertigung?
Bei der Turnkey-Fertigung übernimmt der EMS-Dienstleister die Materialbeschaffung und Fertigung.
Bei der Beistellfertigung stellt der Kunde die Bauteile bereit, während der EMS-Dienstleister die Fertigung durchführt.
Welche Dokumentation wird typischerweise bereitgestellt?
Je nach Projektanforderung können unter anderem folgende Unterlagen relevant sein:
- DFM-Berichte
- Erstmusterprüfberichte (FAI)
- AOI-Protokolle
- Prüfberichte
- Rückverfolgbarkeitsdokumentation
- Konformitätsbescheinigungen
Für regulierte Branchen können zusätzliche Anforderungen gelten.



